Donnerstag, 6. September 2012

21. September - Theodor Fischer-Radtour


Dieses Jahr feiert die Architekturwelt den 150. Geburtstag Theodor Fischers, des wohl bedeutendsten Städtebauers in München. Er war in der Reichstagsbauhütte unter Paul Wallot tätig und hatte ein kleines Architetenbüro in Dresden, bevor er bei Friedrich von Thiersch (Justizpalast/Kurhaus Wiesbaden) und Gabriel von Seidl (Künstlerhaus/BNM) lernte. Nach dem großen Städtebauwettbewerb 1893 war er bis 1901 in München tätig und entwickelte den Generalbebauungsplan, der in die sog. Staffelbauordnung (1904/12) mündete. Insbesondere diese stadtbaukünstlerische Großtat wurde durch Podiumsdiskussionen und Abendvorträge im vergangenen Semester intensiv gewürdigt. Nicht weniger interessant ist Fischers architektonisches Werk. Er hatte sich stets vorbehalten auch praktisch-künstlerisch tätig bleiben zu dürfen. Nach seinen Plänen entstanden herausragende Bauten, die man überwiegend nach wie vor sehr gut im Original betrachten kann. Aus dieser Überlegung heraus entstand die Idee, eine Radtour zu einer Auswahl seiner bedeutendsten Gebäude zu unternehmen und einmal nachzusehen, worin die hohe Qualität der Fischer’schen Baukunst besteht. Im Jubiläumsjahr sind auch die „Sechs Vorträge zur Stadtbaukunst“ als kleiner Band neu herausgegeben worden. Eine enge Bindung von Theorie und Praxis war für den Architekten und Städtebauer stets wichtig. Ein paar Kostproben werden an den passenden Stellen zum Besten gegeben.

Eine kleine, noch nicht abschießende Auswahl von bedeutenden Gebäuden Fischers in München soll an dieser Stelle als Anregung dienen. Das ein oder andere Bauwerk hat wohl jeder schon einmal gesehen: Die Volksschulen am Elisabethplatz, an der Haimhauser Straße (nahe Münchner Freiheit) und an der Guldeinstraße (nahe Trappentreustraße) sowie die Gewerbeschule an der Luisenstraße. Die Erlöserkirche an der Münchner Freiheit und das Marionettentheater an der Blumenstraße. Die Luitpold-, Wittelsbacher- und die Max-Joseph-Brüche sowie die sog. Gebsattelbrücke in der Au. Auch nach seiner Rückkehr aus Stuttgart, entstanden während und nach seiner Tätigkeit als Professor für Städtebau an der TUM, zahlreiche Projekte nach seinen Plänen. Einer der größten Momumentalbauten der Münchner Altstadt ist das Neue Polizeipräsidium zwischen Ettstraße, Dom und Augustinerkirche. Neben Wohnhäusern und Fabrikanlagen verwirklichte er zuletzt bis Mitte der 1920er Jahre die Wohnanlage Alte Haide und das Ledigenheim an der Bergmannstraße. Beide gehören zu den absoluten Inkunabeln des neuen Bauens und setzten für viele Jahrzehnte Maßstäbe. Sein Werk galt Modernen wie Fritz Schumacher, Paul Bonatz, aber auch Le Corbusier als absolut wegweisend. Viele besuchten ihn daher in seinem sog. Laimer Schlössl, das auch nach Fischers Tod 1938 und in der Zeit des Wiederaufbaus nach dem Zweiten Weltkrieg zu einer Pilgerstätte wurde.

Da am Sa., den 22. September das Oktoberfest beginnt, schlage ich jetzt mal Freitag, den 21. September als Termin vor. Wir würden uns dann um 10:30 Uhr vor der Erlöserkirche Feilitzschplatz/Münchner Freiheit treffen. Wer später dazustoßen möchte: Wir sind erstmal ca. eine halbe Stunde in der Erlöserkirche und dann ca. eine halbe Stunde bei der Schule an der Haimhauser Straße.

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